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Im Jahr 2008 feierte der Musikverein Dickenschied sein 80-jähriges Vereinsjubiläum. Ein guter Grund die Vereinsgeschichte in ihren Höhepunkten aufzuzeigen und sich an Ereignisse und Traditionen zu erinnern:
Musikalische Tradition gab es in Dickenschied bereits vor der Gründung des Musikvereins: Schon vor der Jahrhundertwende war Dickenschied ein Musikdorf. Die "Schaukelcher" spielten in Nachbardörfern zum Tanz auf, die Einführung von Pastor Kandels (1904) wurde instrumental begleitet, in den zwanziger Jahren wurde schon mit Posaunen gespielt, später gab es einen Posaunenverein.Am 1. November 1928 gründeten dann, in einer gewiß nicht leichten Zeit der Arbeitslosigkeit und Inflation, 10 Männer - nämlich: Alois Uhl, Ferdinand Hähn, Ernst Vier, Josef Vier, Michael Vier, August Heck, Josef Heck, Bernhard Heck, Josef Schlarb und Gerold Kuhn - den Musikverein Dickenschied.
Wie bei vielen Vereinen, die in dieser Zeit gegründet wurden, war dies keine einfache Aufgabe, denn es fehlte zunächst jegliche finanzielle Grundlage. Die Mittel für den Instrumentenkauf wurden mit Hilfe von Bürgen bei verschiedenen Kreditinstituten geliehen. Um die Schulden zu tilgen, wurde in den Dörfern der Umgebung zum Tanz aufgespielt, oft an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig, wozu der Verein aufgeteilt wurde. Die Wegstrecken wurden - wie damals üblich - zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt; die Ärmsten hierbei waren Bassist und Trommler.Die musikalische Leitung lag zunächst in Händen von Musiklehrer Gräf aus Stipshausen, dessen Einsatz und Unternehmungsfreude es zu verdanken war, daß der junge Verein über die ersten finanziellen Schwierigkeiten hinwegkam. Ordnung und Disziplin wurden streng beachtet: Wer im Verein aktiv werden wollte, mußte zuerst eine Aufnahmegebühr bezahlen. In der ersten Satzung von 1928 ist nachzulesen, daß jedes unentschuldigte Fernbleiben oder verspätete Erscheinen mit einer zur damaligen Zeit empfindlichen Geldstrafe geahndet wurde.
Gerade als sich der Verein einigermaßen gestaltet hatte, brach der Zweite Weltkrieg aus, und jegliche Vereinstätigkeit mußte aufgrund der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten eingestellt werden. Erst nach den Wirren der Nachkriegszeit konnte 1950 wieder eine geregelte Vereinstätigkeit aufgenommen werden, es wurde wieder geprobt und die ersten Musikaufführungen fanden statt. Wie bei der Gründung des Vereins, gab es wieder finanzielle Schwierigkeiten beim Kauf von Instrumenten, weil viele der vorhandenen Instrumente nicht mehr zu gebrauchen waren.Viele der Dickenschieder Traditionen basieren auf der Initiative des Musikvereins. Die Fastnachtszüge der fünfziger und sechziger Jahre wurden fast ausschließlich vom Musikverein gestaltet. Neben dem Dickenschieder Wappen (wozu der Musikverein den Antrag stellte) gehen auch die jährliche Gedenkfeier an Pfarrer Paul Schneider sowie der alljährliche Martinszug auf die Initiative des Musikvereins zurück. Heute gibt es kaum eine kirchliche oder weltliche Festlichkeit in Dickenschied ohne den Musikverein, sei es die Kirmes oder auch Funk- und Fernsehen (z. B. SWF4 „Wir bei Euch“ im Jahr 1993).
Auch auf der internationalen Bühne ist der Musikverein Dickenschied tätig: So reiste er 1993 als diplomatisches Corps des Bürgermeisters zum ersten Mal nach Ungarn und umrahmte die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde zwischen den Gemeinden Felsőtárkány und Dickenschied. Neben den zahlreichen Besuchen und Gegenbesuchen folgte eine zweite Reise des Musikvereins nach Ungarn im Jahre 1996. Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, daß die Sprache der Musik international ist: Denn sicherlich beeinflußt von den Besuchen des Musikvereins wurde in der ungarischen Partnergemeinde Felsőtárkány ein Jugendorchester gegründet, dessen Gegenbesuch in Dickenschied im Januar 1999 stattfand.Durch unermüdliche Ausbildungsarbeit verbesserte der Musikverein Dickenschied sein spielerisches Niveau: Die Teilnahme am Wertungsspielen auf dem Landesmusikfest 1991 in Wittlich wurde in der Mittelstufe mit „sehr gut“ bewertet; in der Oberstufe erzielte der Musikverein auf dem Landesmusikfest 1997 in Pirmasens ein „befriedigend“.
Neben dem musikalischen Schwerpunkt im Orchester wird im Musikverein Dickenschied besonders viel Aufmerksamkeit der Jugend- und Ausbildungsarbeit geschenkt: So wurde unter anderem in der eigens dafür einberufenen Jugendversammlung am 13. November 1994 eine Jugendordnung beschlossen, die der Vereinsjugend eine gewisse Selbständigkeit in ihren Aktivitäten lassen soll. Durch die Zustimmung der Jahreshauptversammlung des Musikvereins Dickenschied vom 20. Januar 1995 entstand eine dem Verein untergeordnete Jugendabteilung, in der nun alle aktiven Mitglieder im Alter von 6-27 Jahren und alle Auszubildende zusammengefasst sind.Darüber hinaus wurde im Mai 1996 ein „Azubi-Orchester“ gegründet, in dem zunächst nur alle Auszubildenden des Musikvereins gemeinsam musizieren und Orchestererfahrung sammeln sollen, bei dem weiterhin der Ausbau zu einem Jugendorchester ins Auge gefaßt ist. Auch in Zukunft wird sich der Musikverein Dickenschied darum bemühen, den musikinteressierten Kindern und Jugendlichen, aber auch den Erwachsenen eine gute musikalische Ausbildung zu ermöglichen und das Dorfgeschehen weiterhin mitzugestalten.
Die räumlichen Möglichkeiten hierzu sind mittlerweile gegeben: Unter Federführung der Ortsgemeinde Dickenschied wurde im Jahr 2000 damit begonnen, die alte Scheune inmitten des Ortskerns umzubauen und den Dickenschiedern Vereinen für ihre Übungsstunden zur Verfügung zu stellen. In den Verhandlungsrunden mit dem Gemeinderat und durch einen massiven Einsatz an Eigenleistung beim Umbau der Scheune konnte der Musikverein sich einen Nutzungsvertrag für die ausschließliche Nutzung dieses Raumes erarbeiten. Mit Einweihung der Dickenschieder „Kulturscheune“ im Jahr 2001 konnte der Musikverein seinen eigenen Übungsraum im Dachgeschoß des Gebäudes beziehen.
Neben den musikalischen Aktivitäten ist der Musikverein auch stets bemüht, seinen inaktiven und aktiven Mitgliedern mit den Auszubildenden sowie allen Angehörigen und Freunden regelmäßig ein außermusikalisches Rahmenprogramm zu bieten. Zum festen Bestandteil des Dickenschieder Terminkalenders ist dabei der Familienwandertag des Musikvereins geworden, der die „Bewegungshungrigen“ zu den unterschiedlichen Jahreszeiten durch Wälder und über Felder der näheren Umgebung führt.
Im Jahr 2003 nahm der Musikverein 1928 Dickenschied e.V. sein 75-jähriges Vereinsjubiläum zum Anlaß, sich zum ersten Mal als Ausrichter des Kreismusikfestes für den Kreismusikverband Rhein-Hunsrück e.V. zu präsentieren. Im Rahmen dieses Kreismusikfestes feiert der Musikverein Dickenschied sein Jubiläum in angemessener Weise vom 29. August - 01. September mit entsprechender Beteiligung der Vereine des Kreismusikverbandes.
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